Golfgerman

Spielarten I: Zählspiel

abgelegt im Archiv Das Spiel am 04.10.08

Tja, Ryder Cup haben wir nun also hinter uns, die Saison ist - und dafür werde ich jetzt sicher wieder als "Schönwettergolfer" beschimpft - ist auch mehr oder weniger vorbei - was machen wir da? Wir gucken uns Golf mal aus der Nähe an. Dieser Artikel ist also der Auftakt zu einer kleinen Serie über verschiedene Spielarten des Golf und es wird auch über Dinge wie Cross-Golf & Co. gehen.

Zunächst wird es um Spielvarianten gehen, die im Golf so existieren. Grundsätzlich gibt es zwei wichtige Varianten: Das Zähl- und das Lochspiel. Heute möchte ich über das Zählspiel und seine Varianten sprechen.

Beim Zählspiel tritt man im Prinzip gegen den Platz an: Du hast keinen festgelegten Gegner, sondern Du versuchst, Deinen Ball mit möglichst wenigen Schlägen ins Loch zu befördern. Danach gibt es eine Brutto- und eine Nettowertung mit der die besten Spieler des gesamten Teilnehmerfelds ermittelt werden.

Bei der Bruttowertung sind die tatsächlich gespielten Schläge wichtig und den absolut besten Spieler zu ermitteln. Bei der Nettowertung wird das individuelle Handicap einbezogen, um den Spieler zu ermitteln, der relativ zu seiner Spielstarke am besten gespielt hat.

Klar so weit? Jeder Amateurgolfer hat ein Handicap, das angibt wie viele Schläge er zusätzlich zum PAR, zum Professional Average Result, an einem Loch brauchen darf. Hat jemand Handicap -54 darf er an jedem Loch 3 Schläge mehr machen, als jemand der Handicap 0 spielt. Wenn jetzt so ein Spieler mit Handicap 0 für einen PAR 72-Platz z. B. 75 Schläge gebraucht hat ist das absolut betrachtet wirklich gut. Wenn aber ein Handicap 54-Spieler für den selben Platz sagen wir 100 Schläge braucht, ist er in der Nettowertung besser.

Die Zahlspielart, die am häufigsten gespielt wird, ist die Zählweise nach Stableford. Anhand dieser Zählweise wird auch das Handicap errechnet, egal welche Zählweise bei dem Turnier gespielt wurde. Als erstes brauchen wir dazu eine Scorecard und weil's so schön war, nehmen wir die vom Valhalla GC auf dem auch der Ryder Cup gespielt wurde:

Spielarten I: Zählspiel
© danperry.com



Schauen wir uns mal Loch 1 an. Ein PAR 4 mit 415 m, wenn man vom grünen Abschlag spielt. Ein Spieler, der seinen Ball mit vier Schlägen einlocht, erhält dafür zwei Punkte. Dabei kommt aber noch das Handicap des Spielers hinzu. Ein Spieler mit Handicap 0 erhält tatsächlich zwei Punkte. Ein Spieler mit Handicap -54 hingegen darf ja drei Schläge mehr pro Loch spielen. Schafft er das unmögliche und locht tatsächlich nach vier Schlägen ein, erhält er 5 Nettopunkte, weil er drei Schläge unter seinem persönlichen PAR geblieben ist. Dafür müsste ein Spieler mit Handicap 0 ein Hole-in-One schaffen.

Spielt man auf diesem Loch nun schlechter als PAR, bekommt man mit Handicap 0 auch für sechs Schläge immerhin noch einen Punkt. Nach dem achten Schlag erhält man keinen Punkt mehr und kann den Ball ggf. aufnehmen, um Zeit zu sparen. Bei unserem Spieler mit Handicap -54 wäre dies also bei 10 Schlägen der Fall: PAR + Handicap + 3 = 4 + 3 Schläge je Loch + 3 = 10.

Um nun sein Handicap zu verbessern, muss man in einem Turnier mehr als 36 Nettopunkte erspielen. Bei Spielern die ein schlechteres Handicap als -36 haben, führt ein schlechteres Ergebnis nicht zu einer Verschlechterung des Handicaps. Hat man sich also von -54 aus -40 hochgespielt und hackt sich dann den hinterletzten Mist zusammen, bleibt man auch bei einem Ergebnis von 35 Punkten oder weniger bei seinem -40. Wichtig ist dabei auch: Jeder Punkt größer 36 bedeutet eine verbesserung des Handicaps um einen vollen Punkt.

Über -36 sieht das schon anders aus: Jeder Punkt größer 36 führt zu einer Verbesserung um 0,3 Handicap-Punkte und umgekehrt. Spielt man genau 36 Punkte hat man sein Handicap bestätigt und es ändert sich nichts. Um die Tagesform des Spielers auszugleichen, gibt es auch noch die so genannte "Pufferzone", also ein Bereich von Punkten, bei denen sich das Handicap weder verbessert noch verschlechtert.

Das würde hier allerdings den Rahmen sprengen, darum kümmere ich mich vielleicht mal in einem eigenen Artikel.

Die zweite Variante, beim Zählspiel zu zählen ist das klassische Zählspiel. Dabei wird jedes Loch bis zum bitteren Ende gespielt. Wenn Du einen schlechten Tag hast und an Loch 1 statt der vorgegeben vier Schläge 18 brauchst, dann steht auf seiner Scorecard nach dem achten Schlag kein Strich, sondern tatsächlich die 18. Das ist bei manchen Wettspielvarianten wichtig, über die wir auch noch gesondert sprechen werden.

Permalink: Spielarten I: Zählspiel

Tags: Zählspiel  Stableford  Handicap  klassisches  Zählspiel 

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